Bad Pyrmont
"Große Welt" im Bad

„Der Gesundheit und dem Vergnügen gewidmet“

Bad Pyrmont im Jahre 1844

Wohl seitdem es Kurbäder, Modebäder und Heilbäder gibt, gibt es auch Werbung für sie. Zu Beginn war es wohl eher die berühmte Mund-zu-Mund-Propaganda, die den Ruf des jeweiligen Bades vorantrieb. Aber spätestens mit dem Aufkommen von Zeitschriften – Ende des 18. Jahrhunderts – entdeckten die Kurorte auch sie als probate Werbeplattformen. Und so erschienen gerade kurz vor Beginn der jeweiligen Badesaison nicht nur echte Werbeanzeigen in diesen Zeitschriften, sondern gerne auch einmal Erfahrungs- und Reiseberichte oder – wie im nachfolgenden Text über Bad Pyrmont – Ankündigungen aus „zuverlässigen“ Quellen. So machte man denen, die vielleicht noch unentschlossen waren wo es denn in diesem Jahr hingehen solle, den Mund wässrig – nicht anders als heute.
Manche Dinge ändern sich eben nie.


Allgemeine Zeitung München April 1844 - Bad Pyrmont

Allgemeine Zeitung München April 1844 – Bad Pyrmont

„Unter den deutschen Bädern nimmt Pyrmont unstreitig eine der ersten Stellen ein: denn jedes Jahr vergrößert sich der Zusammenfluß von Kranken und Reisenden, die hier aus allen Theilen von Europa zusammentreffen. Man kann die Zahl der im vorigen Sommer daselbst anwesenden Personen auf mehrere Tausende annehmen und alle haben diesen der Gesundheit und dem Vergnügen gewidmeten Ort mit dem Entschlusse verlassen, denselben dieses Jahr wieder zu besuchen. Was könnte man sich auch denken, das man nicht alles in Pyrmont vereinigt fände? Die allgemein anerkannte Wirksamkeit der Heilquelle bei einer großen Anzahl von Krankheiten und besonders bei Nervenkrankheiten; eine reine und gesunde Luft, vortreffliche und billige Nahrungsmittel – Pyrmont liegt mitten in einem fruchtbaren, von …chenden [Wort leider nicht vollständig lesbar, Anm. d. Bearbeiterin] und malerischen Gegenden umgebenen Thale, die zu den schönsten Spaziergängen benützt werden – die Wohnungen vereinigen alle Gemächlichkeiten und die Belustigungen und Vergnügungen stehen denen in den berühmtesten Badeorten wie Baden, Wiesbaden etc. keinesfalls nach.
Abendgesellschaften, Bälle, Concerte, Theater, Opern, Spiele und Feste jeder Art reihen sich aneinander; nichts geht Pyrmont mehr ab, besonders seitdem Baron Devaur aus Paris, dessen vollkommene Sachkenntniß und vortrefflicher Geschmack sich bis in den unbedeutendsten Kleinigkeiten bewähren, sich dafür interessiert hat.
Wenn wir nicht besorgten unbescheiden zu seyn, so würden wir gern einige der neuen Ueberraschungen andeuten, die dieses Jahr den Besuchern dieses Bades bevorstehen; denn wir wissen aus guter Quelle, daß man mit einigen der ersten Tanzkünstler der Pariser großen Oper in Unterhandlung steht, die während der dießjährigen Badesaison wiederholte Vorstellungen auf dem Theater in Pyrmont geben sollten.
Man trifft große Anstalten zu einer allgemeinen Illumination der großen Hauptallee und des Brunnenplatzes bei Gelegenheit des Geburtsfestes der Prinzessin Auguste v. Waldeck, und zu einer Tombola von ungeheurere Ausdehnung zum Besten der Armen. Die zahlreichen kostbaren und verschiedenartigen Loose, aus denen solche besteht, wurden in den größten Pariser Magazinen ausgewählt; auch soll wie es heißt außer den an jedem Freitag Abend stattfindenden Bällen mit großem Orchester Vormittags nach dem Piano getanzt werden, und wir wissen daß das hierzu bestimmte Instrument eines der vorzüglichsten aus der Fabrik von Erard in Paris ist, dessen Pianos überall den anerkanntesten Vorzug genießen, so das man solche auch an den größten Höfen von Europa allgemein vorzieht.
Wir könnten noch viel ähnliches erzählen; allein wir ziehen vor darüber zu schweigen, denn das bisher Gesagte ist noch mehr als hinreichend, um alle Personen die Gegenwärtiges lesen zum Besucher von Pyrmont zu bestimmen, wo die Saison am 15 Mai eröffnet werden wird.“

Der Autor dieser begeisterten und schwärmerischen Zeilen wollte offenbar ungenannt bleiben – lediglich ein N.N. ziert das Ende des Textes.


Im Text genannte Personen

Prinzessin Augusta zu Waldeck-Pyrmont

Prinzessin Augusta zu Waldeck-Pyrmont

Geboren wurde sie am 21. Juli des Jahres 1824 in Bad Arolsen in Hessen als älteste Tochter des Fürsten Georg II. zu Waldeck und Pyrmont und seiner Ehefrau Prinzessin Emma von Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym.
Am 15. Juni 1848 heiratete sie Graf Alfred von Stolberg-Stolberg. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor:

  • Wolfgang Georg (1849-1903)
  • Eberhard (1851-1851)
  • Walrad (1854-1906)
  • Heinrich (1855-1935)
  • Erika (1856-1926)
  • Albert (1861-1903)
  • Volkwin (1865-1935)

Augusta starb am 4. September 1893 auf Norderney.


Sébastien Érard

Sébastien Érard

Als deutschstämmiger Elsässer wurde Érard im Jahr 1752 als Sebastian Ehrhardt in Straßburg geboren.
Seine Karriere und seinen Weltruhm als Instrumentenbauer verdankte Érard einer reichen Pariser Aristokratin. Im Untergeschoss ihres Hauses konnte er seine Werkstatt einrichten und erste Instrumente herstellen und das trotz der Tatsache, dass er keinerlei geeignete Ausbildung vorweisen konnte. Aber durch die Fürsprache seiner Gönnerin erhielt er vom französischen König gegen den Willen der Pariser Harfenbauer-Zunft die Erlaubnis zum Bau weiterer Instrumente.
Érard versuchte ständig seine Instrumente weiter zu verbessern durch neue Innovationen und Techniken zu verbessern. So gelang es ihm 1811 einen neuen Harfentyp auf den Markt zu bringen, der durch eine Doppelpedalmechanik die Harfe wieder zu einem für Komponisten interessanten Instrument macht. Insbesondere Hector Berlioz nutzte diese neue Harfe häufig für seine Kompositionen.
Zehn Jahre später dann machte sich Érard einen Namen unter den Klavierbauern, als er eine neue Technik zum Patent anmeldete, die das Klavier deutlich leistungsfähiger machte als bisher bekannte Instrumente. Mit dem Bau von Klavieren allerdings hatte er schon deutlich früher begonnen. Bereits im Jahr 1803 schenkte er Ludwig van Beethoven einen Flügel aus seiner Produktion.
Spätestens mit seinem neuen Patent stieg Érard zum weltweit führenden Klavierbauer auf. Vor allem Pianisten wie Franz Liszt schätzten und liebten seine Instrumente.
Im Jahr 1831 starb der innovative Instrumentenbauer in der Nähe von Paris.
Sein Neffe Pierre Érard führte das Unternehmen nun weiter, war aber nicht mit der gleichen Innovationsfreude beseelt wie sein Onkel. Trotz der zunehmenden Konkurrenz von Firmen wie Steinway & Sons oder auch Schimmel, wurden die Instrumente Érards technisch nicht mehr weiterentwickelt, so dass das Unternehmen schnell seine marktbeherrschende Stellung verlor.
Im Jahr 2013 wurde nach vielen Irrwegen und Verkäufen die Firma Érard geschlossen.


Baron Devaur aus Paris

nähere Einzelheiten über diese Person konnten bis dato nicht ermittelt werden