Bad Oeynhausen Kurhaus
Bäderreise-Geschichte(n)

Königliches Bad Oeynhausen 1901

Werbung ist für Kurorte und Kurbäder nicht erst heute wichtig. Sie war es schon vor über hundert Jahren. Ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert gab es dafür sogar ein eigenes Schrifttum: den Bäder-Almanach. Hier hatten die Bäder-Direktionen die Möglichkeit ihren Kurort mit all seinen Möglichkeiten und auch Annehmlichkeiten vorzustellen. Dazu gehörten die am Ort ansässigen Ärzte, die Therapiemöglichkeiten ebenso wie die Freizeitvergnügungen, die der Ort anzubieten hatte und natürlich auch die Hotels vor Ort. Diese anzugeben war besonders wichtig, denn Kurkliniken, wie wir sie heute kennen gab es damals noch nicht wirklich und die meisten Kurgäste waren privat bzw. in Hotels untergebracht. Im Folgenden finden Sie einen Auszug aus dem Bäder-Almanach des Jahres 1901 über das Königliche Bad Oeynhausen:

Bad Oeynhausen um 1901
Bad Oeynhausen – Königliches Kurhaus um 1901
Historische Postkarte

Bad Oeynhausen im Bäder-Almanach von 1901

Königliches Bad Oeynhausen (Rehme)
Sommer— und Winter-Kurort,
Stadt mit 3300 Einwohnern, 71 m ü. d. M. im Reg.-Bez. Minden nahe der Porta-Westfalica, an der Werre, nördlich vom Wesergebirge, südlich vom Teutoburger Walde begrenzt.
Gebirgige, waldreiche Umgebung. Gesundes, erfrischendes Klima.
Kurmittel: 4 kräftige, kohlensäurereiche Thermalquellen, 2 gewöhnliche Soolquellen. Sooldunst- und Wellenbäder, Gradirluft, Molken-, Kuh- und Ziegenmilch. Trinkanstalt für natürliche und künstliche Mineralwässer, Bitterbrunnen, Elektrizität, Röntgenkammer, Massiren, Schwimmanstalt, Flussbäder, Orthopädische (Dr. Zander) Anstalt.
Haupt-Bestandtheile der Badequellen, nach Prof. Finkener, in 1 Liter== 1000 Gramm:

Analysewerte der Bad Oeynhausener Quellen 1901 - Bäder-Almanach
Bäder-Almanach 1901: Bad Oeynhausen Analysewerte der Quellen

Durch die Mischung der Thermalsoolquellen können Bäder von 26-32,50° C. natürlicher Wärme gegeben werden. Wärmere Thermalbäder durch indirekte Erwärmung.
Soolbäder bis zu 35 kg Salz pro Bad aus den vorhandenen Quellen in jeder Temperatur ohne fremden Zusatz. Die Thermalbäder werden direkt aus den Quellen gespeist.
Zu den vortrefflich eingerichteten Badeeinrichtungen gehören:
1. das grosse Thermalbadehaus mit 76 Badezellen und Doucheeinrichtungen (1897 renovirt), neben diesem
2. das neue Thermalbadehaus mit 74 Badezellen (1899/1900 erbaut),
3, das neue Soolbadebaus mit 39 Badezellen nebst Inhalatorium und Douchesaal. Ferner für weniger Bemittelte:
4. das zweite Thermalbadehaus mit 42 Badezellen (1901 erweitert).
5. das zweite Soolbadehaus mit 35 Badezellen und Doucheeinrichtungen.
Indikationen der Thermal- und Soolbäder: Blutleere, schlechte Blutbeschaffenheit, unvollkommene Körperernährung, allgemeine Schwäche und erschwerte Rekonvaleszenz, Skrophulose und davon abhängige chronische Luftröhrenentzündung, sowie chronische Katarrhe des Magens und Darmes, Knochenleiden (Caries etc.), Blutüberfüllung des Gehirns, Lähmungen nach Schlaganfällen, Entzündung des Rückenmarks und der Rückenmarkshäute, Nervenerkrankung (Neuralgien), Nervenlähmungen, Nervenschwäche etc.), Hysterie, Gicht, Muskelrheumatismus, Gelenkrheumatismus, Herzkrankheiten, Unterschenkelgeschwüre in Folge von Krampfadern, Blutüberfüllung des Unterleibes, Exsudate in Folge von Entzündungen der Gelenke, der Beckenorgane, der Wirbel etc. Chronische Gebärmutterentzündungen und Katarrhe, zögernde oder beschwerliche Menstruationen, Eierstockentzündungen, vorzeitiges Altern und mangelhafte Entwickelung jugendlicher Leute.
Wegen seiner guten Luft und sonstigen Einrichtungen empfiehlt sich Bad Oeynhausen ganz besonders auch als Sommeraufenthalt.
Aerzte: (alphab.) Dr. Aly, Dr. Colm, Dr. Füchtenbusch, Dr. Huchzermeyer, San.-R. Dr. Kann, Dr. Koch, Dr. Lehmann, Dr. Pfeffer, Dr. Rohden, Dr. Reckmann, Dr. Sauerwald, San.-R. Dr. Schepers, Dr. Voigt, Geh. San.-R. Dr. Voigt jr.

Stadtplan Bad Oeynhausen 1910
Stadtplan von Bad Oeynhausen aus dem Jahr 1910
gemeinfrei

Freizeit, Vergnügen und Hotels

Gasthöfe: Vogeler, Kur-Hötel, zum Pavillon, zuin Kronprinzen, Victoria, Kaiserhof, Starke, Centralhotel, Rose, Concordia.
Mittagstafel und Restauration im Kurhause, in sämmtlichen Gasthöfen, in der Concordia und in der Rose von Mk. 1,50 bis 2,50. Daneben mehrere Garküchen. In vielen Häusern vollständige Verpflegung mit Wohnung von Mk. 3,- pro Tag aufwärts.
Wohnungen: Von Mk. 10,- bis 50,- pro Zimmer und Woche in zahlreichen guten Privathäusern, welche meistens mit Rampen für Rollstühle eingerichtet sind. Bei bescheidenen Ansprüchen ist der Aufenthalt nicht theuer. Im Kurgarten, nahe den Bahnhöfen, ist von der Badeverwaltung ein Wohnungs-Nachweisungs-Bureau eingerichtet. Es empfiehlt sich, bei Ankunft entweder sogleich sich an obiges Bureau zu wenden, oder in einem Gasthof abzusteigen und von dort aus Wohnung zu suchen. Vor den Wohnungs-Anpreisungen an den Bahnhöfen kann nicht dringend genug gewarnt werden.
Im Kurhause und in den Badehäusern sind Wohnungen nicht vorhanden.
Unterhaltungen: Eine vorzügliche, 42 Mann starke Kurkapelle spielt die ganze Saison hindurch zwei- und dreimal täglich. Eigenes Kurtheater, Vorstellungen vom 20. Mai bis 10. September dreimal wöchentlich. Daneben Künstler und Militär-Konzerte, Bälle etc. Reich ausgestattete Lesesäle, Musik-, Conversations- und Restaurationssäle im Kurhause, mit anstossender grosser gedeckter Halle zum Aufenthalt im Freien bei ungünstiger Witterung. Elektrische Beleuchtung. Wandelbahn mit Trinkhalle und Verkaufslokalen. 120 Morgen Kurpark mit schattigen, sorgfältig unterhaltenen Wegen. Lawn-Tennis-Spiel. Kinder-Spielplätze mit Turngeräthen etc. Schiessstand. Kahnfahrten auf der Werre beim Nadelwehr. Fischerei. Lohnende Ausflüge zu Fuss und Wagen in die schöne Umgegend und mit der Bahn nach dem nahen Weserthal und dem Teutoburgerwald (Hermannsdenkmal, Kaiserdenkmal auf dem Wittekindsberge der Porta-Wesffalica).
Kur- und Musikgeld: Für 1 Person 15 Mk., 2 Personen 21 Mk. etc. Wenig bemittelte Kurgäste pro Person 6 Mark. Kinder unter 12 Jahren frei, desgleichen Aerzte, sowie aktive Subalternoffiziere und Zahlmeister. Während der Winter-Saison wird Kurgeld nicht erhoben.
Bäder-Tarif: 1. Saisonpreise. Im Abonnement: Thermal- oder Soolbäder für Erwachsene Mk. 1,75 (Therrmalbad in den grossen Thermalbadehäusern in der Zeit von 8—10 ½ Uhr Vorm. Mk. 2,-), für Kinder Mk 1,- einschliesslich Bedienung und Badewäsche. Weniger bemittelte Kurgäste zahlen Mk. 1,- resp. 75 Pfg., Kinder 50 Pfg. excl. Badewäsche. Zur Erlangung der billigen Bäder muss der Bade-Verwaltung. ein genauer Nachweis über die Vermögens-Verhältnisse erbracht werden. Anträgen auf Freibäder ist ein ärztliches und ein amtliches Attest, dass der Antragsteller aus öffentlichen Mitteln fortlaufend unterstützt wird, beizufügen. 2. Winterpreise : Abonnement von 12 Bädern Mk. 15,- ein einzelnes Bad Mk. 1,50.
Das Johanniter-Asyl für arme Badegäste hat 120 Betten. und verpflegt jährlich ca. 400 Kranke. Anträge wegen der Aufnahme sind an den Vorstand des Asyls zu richten.
Gottesdienst: evangelischer, katholischer, israelitischer. 
Reiseverbindungen: Oeynhausen ist Station der Bahn Köln-Berlin und Löhne-Vienenburg, sowie der Linie London-Hoek bezw. Queenboro-Vlissingen van Holland-Berlin, direkte Wagen Oeynhausen (Nordbahnhof); Haltestellen der sämmtlichen zwischen Köln und Berlin laufenden Züge. Direkte Billets von und nach allen grösseren Bahnstationen.
Von Berlin in 5 ½ Stunden, von Köln in 4 ½ Stunden, von Hannover in 1 ¾ Stunden, von Amsterdam in 9 Stunden, von London in 18 Stunden zu erreichen.
Saison vom 15. Mai bis Ende September. Das Winterbad ist vom 1. Oktober bis 15. Mai geöffnet. Frequenz in 1900: 11 102 Kurgäste, 23163 Passanten, 162301 Bäder.
Königliche Bade-Verwaltung.

Bäder-Almanach VIII. Mittheilungen der Bäder, Luftkurorte und Heilanstalten in Deutschland, Oesterreich, der Schweiz und den angrenzenden Gebieten für Aerzte und Heilbedürftige, 8. Aufl. Berlin 1901, S. 292 (Bad Oeynhausen).

Beitragsbild:
Kurhaus von Bad Oeynhausen um 1901 – historische Postkarte

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